Strukturreiche Mischwälder als tragfähiges Modell
Anlässlich eines Praxistages hat das Projekt „Kommunale Biodiversität“ (KomBi), unterstützt durch die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL), kommunale Vertreter, Experten und Interessierte aus ganz Bayern in den Waldbetrieb Eichelberg in der Nähe von Vilshofen eingeladen. Unter dem Motto „Kommunale Biodiversität im Wald“ diskutierten die Teilnehmer die Potenziale, die in Gemeinden, Städten und Landkreisen schlummern.
„Wir möchten zeigen, wie der Schutz des Artenreichtums und vielfältiger Lebensräume im Wald ganz praktisch funktionieren kann. Biodiversitätsschutz ist ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich machbar“, erklärte Biologe Dr. Wolfram Adelmann, Fachbereich Angewandte Forschung und Wissenstransfer der ANL.
Der Tag startete mit Vorträgen in den Räumen des Bayerischen Naturschutzfonds im Kampmann-Carossa-Anwesen in Rittsteig. Aus der Region waren unter anderem das Landratsamt Passau, die Stadt Passau sowie das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vertreten. Auch Kreisrätin Claudia Woller nahm an der Weiterbildung teil.
Adelmann informierte über die wichtigsten Maßnahmen im Waldnaturschutz, wie das Bewahren einheimischer Baumarten und Schaffen von Biotopen.
Florian Lang, Projektmanager von „KomBi“, berät bayerische Kommunen beim Biodiversitätsschutz und lenkte den Blick auf die Lebensqualität: „Eine vielfältige Natur vor Ort gibt viel zurück! Stellen Sie sich belebte Märkte mit regionalen Lebensmitteln, die besondere Atmosphäre bei Konzerten auf bunten Wiesen, Vogelgezwitscher beim erholsamen Waldspaziergang und köstlichen Saft aus eigenem Streuobst vor.“ Eine Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds ermöglicht, dass Gemeinden, Märkte und Städte in Bayern sich kostenfrei vom Projekt unterstützen lassen können.
Für die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) referierte Benjamin Gang über die Ökosystemleistungen des Waldes. Er präsentierte über 25 verschiedene Leistungen, darunter die Basisleistungen Sauerstoffproduktion und Kohlestoffspeicher, die Versorgungsleistungen Holz und Trinkwasser, die Regulationsleistungen Luft- und Wasserfilter sowie die kulturellen Leistungen Tourismus und Erholung. Im Rahmen seiner Forschung widmet sich Gang auch den Zielkonflikten, die beispielsweise zwischen Biodiversität und Bodenrente entstehen können, sowie der Frage einer Bewertung und Vergütung der Ökosystemleistungen.
Anschließend ging es auf Exkursion nach Eichelberg, zwischen Ortenburg und Vilshofen gelegen. Peter Langhammer, Forstbetriebsleiter, und Jürgen Oswald, Forstunternehmer, betreuen den Wald seit Jahrzehnten und führten sachkundig durch die Fläche. Matthias Drexler, Leiter Waldwirtschaft im Bistumswald Passau, ergänzte mit seinen Erfahrungen aus der schöpfungsorientierten Waldwirtschaft.
„Biodiversität bedeutet für uns Stabilität. Wir arbeiten nach dem Konzept lebendiger Wald“, erläuterte Langhammer, dem 2018 die Bayerische Staatsmedaille Umwelt verliehen wurde. Die Teilnehmer hatten zahlreiche Fragen zu geeigneten Baumarten, eingesetztem Arbeitswerkzeug, Umfang der Jagd, Kostenkalkulation und Holzertrag sowie aktuellen Erkenntnissen rund um Totholz. „Stehend, besonnt, idealerweise Laubbaum oder Tanne – das ist besonders wertvolles Totholz“, beantwortet Langhammer Letzteres.
Über das Thema Förderungen entstand eine lebhafte Diskussion. Langhammer erklärte offen: „Ohne Förderungen wäre unsere Arbeit in diesem Umfang nicht möglich.“ Förderungen hätten auch eine Signalwirkung und dienten der Ideenweitergabe, ergänzte Adelmann. Insgesamt zeigten sich Langhammer und Oswald zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis. Es wäre ein Prozess, die erreichte Vielfalt – 56 Pilz- und 191 Käferarten, darunter seltene Exemplare – spräche für sich.
„Artenreiche Wälder, die wie ein Schwamm Wasser speichern und langfristig genutzt werden können, sind unsere Zukunft“, zeigte sich Woller, zugleich Mitglied im externen Fürstenzeller Umweltausschuss, beeindruckt. „Es ist eine Investition, die sich auszahlen wird. Ich werde mich informieren, welche Optionen wir in Fürstenzell und im Landkreis haben.“
Am Ende zogen alle ein positives Fazit des Tages. „Die Gemeinden, Städte und Landkreise, denen etwa 12,5 Prozent der Waldfläche in Bayern gehören, haben einen enormen Hebel in der Hand, um Natur- und Klimaschutz sowie Lebensqualität vor Ort zu gestalten. Wir danken dem Waldbetrieb Eichelberg für den Einblick und sind gespannt, welche Ideen die Kommunen hier in der Region entwickeln werden.“