Mia Goller stellt Zehn-Punkte-Plan der Grünen für Trinkwasser, Bäche und Grundwasser vor.
Ausgetrocknete Bäche, niedrige Grundwasserstände und immer mehr Streit um die Nutzung von Wasser: Die Folgen langer Trockenperioden sind auch in Niederbayern längst angekommen. Die Landtags-Grünen fordern deshalb mit einem Zehn-Punkte-Plan konkrete Maßnahmen zum Schutz von Trinkwasser, Gewässern und Landschaft. Einen entsprechenden Antrag hat die Fraktion im Bayerischen Landtag eingebracht.
Nach dem aktuellen Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt weisen 81 Prozent der oberflächennahen und 74 Prozent der tieferen Grundwassermessstellen in Bayern niedrige Wasserstände auf. Rund 65 Prozent der Flusspegel liegen unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss und gelten als sehr niedrig.
„Die Klimakrise findet nicht irgendwo statt. Sie ist längst bei uns in Niederbayern und im Landkreis Passau angekommen“, sagt Mia Goller, Sprecherin für Landwirtschaft und Wald der Grünen Landtagsfraktion. „Bäche trocknen aus, Fische und andere Gewässerlebewesen geraten unter Druck, und Landwirtschaft, Kommunen und Bevölkerung konkurrieren immer stärker um Wasser. Das ist keine kurze Sommerlaune mehr.“
Wasser in der Region halten
Goller kritisiert, dass wichtige Vorschläge der Expertenkommission Wasser bisher nur schleppend umgesetzt würden. Die Staatsregierung setze zu stark auf Fernwasserleitungen.
„Markus Söder träumt von einer Megaleitung von Süd nach Nord. Aber Wasser lässt sich nicht einfach beliebig durchs Land schieben“, sagt Goller. „Wir müssen es dort halten, wo es fällt: in den Böden, in Wäldern, Mooren, Wiesen und Auen. Genau diese Chance hat die Staatsregierung bei der Änderung des Wassergesetzes erneut verpasst.“
Der Zehn-Punkte-Plan der Grünen sieht unter anderem eine bayernweite Wassersparoffensive und einen Krisenstab für akute Niedrigwasserlagen vor. Flüsse, Bäche, Seen und Grundwasservorkommen sollen besser geschützt und Wasserschutzgebiete ausgebaut werden. Außerdem fordert die Fraktion mehr Personal für die Wasserwirtschaft, moderne kommunale Leitungsnetze und mehr sogenannte Schwammstädte und Schwammlandschaften, die Regenwasser aufnehmen und länger speichern können.
„Wir brauchen keine weitere Broschüre, die uns erklärt, dass Wasser wichtig ist. Wir brauchen Maßnahmen, die draußen ankommen“, betont Goller. „Jeder Liter Regenwasser, den wir in der Landschaft halten, hilft uns bei Trockenheit.“
Sonja Keßler, Kreisvorsitzende der Landkreisgrünen, sieht dabei auch die Kommunen vor großen Herausforderungen: „Wasser ist eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen. Deshalb müssen mehr Maßnahmen zum Wasserrückhalt gefördert und ergriffen werden, damit möglichst viel davon bei uns in der Region bleibt. Das ist eine Aufgabe, die Landkreis und Gemeinden in den nächsten Jahren immer stärker beschäftigen wird. “
Badeseen geraten unter Druck
Auch der stellvertretende Fraktionssprecher der Grünen im Kreistag Passau, Sascha Müller, fordert mehr Tempo: „Wir sehen inzwischen auch bei uns ganz konkret, was längere Trockenperioden bedeuten. Deshalb reicht es nicht, immer erst zu reagieren, wenn die Lage kritisch wird. Wir müssen beim Schutz unserer Wasservorräte langfristiger denken und früher handeln.“ Hohe Temperaturen und extremes Niedrigwasser belasteten zunehmend die Wasserqualität, so Müller, sie könnten nicht nur die Bildung von Blaualgen begünstigen. Extremes Niedrigwasser in Bächen verringere die Zuläufe von Frischwasser in unsere Badeseen und bedrohe auch die Tier- und Pflanzenwelt und damit die Biodiversität. Im Landkreis Passau gelten aktuell am Halser Stausee / Ilz im Bereich Hofbauerngut ein Badeverbot, ebenso an der Oberilzmühle bei Salzweg. Badewarnungen wegen Blaualgen bestehen auch am Freudensee in Hauzenberg und am Eginger See.
„Unsere Seen und Flüsse sind Lebensräume, Trinkwasserreserven und wichtige Orte der Erholung“, sagt Goller. „Wenn Badegewässer kippen und Bäche trockenfallen, ist das ein Warnsignal, das niemand mehr übersehen kann.“
Die Staatsregierung müsse jetzt handeln, statt auf den nächsten Regen zu hoffen.
„Es geht nicht mehr um die Frage, ob Bayern mit Wasserknappheit zu kämpfen haben wird. Wir stecken bereits mittendrin“, so Goller. „Damit auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch gilt: Hahn auf, Wasser läuft, müssen wir heute anpacken. Wasser schützen, Wasser sparen und Wasser in der Fläche halten – darum geht es.“