• "Wenn du einem Orang-Utan in die Augen schaust, blickt er direkt in deine Seele", findet Helmut Huber. -Foto: Huber

Wenn Fernweh zum Umweltschutz wird

Helmut Huber engagiert sich für Orang-Utans – Corona erschwert Arbeit seines Vereins

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08. Mai. 2021 –

Es begann mit dem Fernweh in seiner Jugend. Helmut Huber will fremde Länder sehen. Da reist er in den 90ern nach Sumatra. In einer Auffangstation sieht er einen Orang-Utan. "Da ist die Liebe erwacht." Auf Borneo sei die Situation der Menschenaffen noch schlimmer, hört er. Da ist klar, wohin die Reise das folgende Jahr gehen soll.

Auf einem Markt in Borneo entdeckt Helmut Huber schließlich ein Orang-Utan-Baby, eingesperrt in einen Vogelkäfig. Er kauft es. "Das sollte man im Nachhinein natürlich nicht machen, denn für jedes gekaufte Baby werden weitere gefangen." Heute würde er bei der Rettung anders vorgehen, damals wusste er es noch nicht besser. Er überlegt, das Baby freizulassen – stellt aber fest, dass es dafür noch zu jung ist. Es folgt eine Odyssee, Polizei, Militär, keiner will helfen. Schließlich kommt Helmut Huber mit dem kleinen Orang-Utan zu einer Auffangstation.

Das ist der Anfang des Engagements von Helmut Huber aus Aldersbach (Lkr. Passau). Er ist heute 53 und Expedient bei der Brauerei Wolferstetter. Er gründet den Verein "Fans for Nature" und setzt sich fortan für den Schutz der Orang-Utans und den Erhalt des Regenwaldes auf Borneo ein. Zunächst unterstützt er die Auffangstation, bei der er "sein" erstes Orang-Utan-Baby abgegeben hat, inzwischen baut der Verein eine eigene Auffangstation auf.

Muttertiere werden gezielt getötet, um Babys zu rauben

Die Jungtiere der Orang-Utans werden als Haustiere verkauft, die Mütter dabei gezielt getötet, da sie sich sonst ihre Jungen nicht wegnehmen lassen würden. Orang-Utans, die auf Nahrungssuche etwa in Plantagen eindringen, werden gezielt verfolgt. Die Bejagung ist jedoch nicht das einzige Problem.

Für Palmölplantagen wird auf Borneo der Regenwald gerodet. In etwa jedem zweiten Produkt im Supermarkt sei Palmöl verarbeitet, schätzt der WWF. Das sei fatal in mehrerlei Hinsicht, erklärt Helmut Huber. Einerseits wird so der Lebensraum vieler – teils auch noch unentdeckter – Tier- und Pflanzenarten zerstört, zum Beispiel eben der Orang-Utans. Viele Tiere sterben bei der Rodung, die restlichen müssten auf viel zu kleinen Flächen zusammengedrängt leben, so würden sich Krankheiten mehr verbreiten, Nahrung und Lebensgrundlage werden so entzogen.

Andererseits sei der Regenwald die grüne Lunge der Erde und ein immenser CO2-Speicher. "Die Geschichte der Menschheit entscheidet sich gerade und niemand will etwas tun. Bis zu den Bundestagswahlen im Herbst werden noch rund 50000 Hektar Regenwald abgeholzt", so Huber. "Jeder sagt, dass man die Umwelt schützen müsse, doch die Vernichtung geht ungebrochen weiter. Die EU könnte hier viel machen. Ich bin enttäuscht, dass nichts passiert." Die Palmölunternehmen machen zudem die einheimische Bevölkerung abhängig.

Die verschiedenen Projekte des Vereins "Fans for Nature" beinhalten etwa den Ankauf von Regenwald, um diesen vor der Rodung zu schützen, die Pflege und Auswilderung von Orang-Utans, aber auch den Schutz anderer Tiere wie etwa der Nasenaffen – fast alle Bäume, die Nahrung für diese Tiere spenden, sind inzwischen verschwunden. Mit Hilfe von "Fans for Nature" habe man 400 neue solcher Bäume pflanzen können, erzählt Huber.

Das Engagement bringt aber auch immer wieder Rückschläge. "Täglich hört man irgendeine schlechte Nachricht. Wir Tierschützer werden nicht viel erreichen." Was ihn und andere dennoch immer weitermachen lässt? Das sind die Lichtblicke: eine Frau aus Australien, die eine größere Summe spendet, ein Tier, das erfolgreich gerettet werden konnte. "Wenn wir es nicht machen, macht es keiner", sagt Helmut Huber.

Auch Schauspieler Hannes Jaenicke als Unterstützer

Derzeit macht es die Corona-Krise aber doppelt schwer. Veranstaltungen, auf denen Spenden generiert werden, können nicht stattfinden. Das Volunteering-Programm, über das junge Helfer etwa aus Deutschland vor Ort arbeiten, fällt ebenfalls derzeit flach. Großprojekte wie der Aufbau der eigenen Auffangstation treiben den Verein zusätzlich finanziell an den Rand der Möglichkeiten. "Wenn wir kein Geld einnehmen, gehen diese Projekte hops. Dann können wir kein Futter kaufen und keinen Tierarzt mehr bezahlen." Die Vereinsmitglieder hier in Deutschland wie Helmut Huber selbst arbeiten alle ehrenamtlich.

280 Mitglieder hat der Verein inzwischen europaweit und sogar einen prominenten Unterstützer: Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke, den Helmut Huber inzwischen nach vielen Jahren Zusammenarbeit auch als Freund bezeichnet. Zuletzt lief außerdem erfolgreich eine Crowdfunding-Aktion zum Ankauf von Regenwaldflächen. Diese kleinen Erfolge und die Unterstützung, die er dann doch auch wieder gerade von Privatpersonen erfährt, lassen Helmut Huber weitermachen – und, weil es sonst keiner tun würde.
Wenn Sie spenden oder sich über einzelne Projekte informieren wollen, finden Sie weitere Informationen im Internet unter fansfornature.org.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 05.05.2021
Wir danken der PNP für die freundliche Genehmigung der kostenlosen Nutzungsrechte auf unserer Website.

Anmerkung: Helmut Huber ist Gemeinderat in Aldersbach

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