Münchner Merkur arbeitet mit manipulierbaren Umfragen

Beschwerde beim Presserat: Glaubwürdigkeit des Journalismus in Gefahr

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28. Mai. 2017 –

Dirk Wildt, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Passau-Land, hat am vergangenen Freitag Beschwerde beim Deutschen Presserat eingelegt. Anlass sind Online-Umfragen des Münchner Merkurs, die manipulierbar sind. Pikant: Nachdem der Kreisvorsitzende eine Umfrage zu Gunsten der Grünen und zu Lasten der CSU manipuliert und den Zeitungsverlag darüber unterrichtet hatte, setzte der Verlag die Veröffentlichung der Umfrageergebnisse unverändert fort. In einer E-Mail rechtfertigte die Online-Redaktion ihre Entscheidung damit, man verwende das Voting „ohne Anspruch auf Repräsentativität“. In einem weiteren Satz belastet der Münchner Merkur weitere Verlage: „Dies ist bei ALLEN Online-Votings auch anderer Portale der Fall.“

„Es ist nicht das erste Mal, dass mir eine manipulierbare Umfrage eines Zeitungsverlags aufgefallen ist“, sagt Dirk Wildt. „Das letzte Mal konnte ich eine Umfrage zu Gunsten des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz manipulieren. Der betroffene Verlag hat nach einer entsprechenden Mitteilung die Umfrage entfernt und führt seitdem nach eigenen Angaben keine Online-Umfragen mehr durch. Auch vom Münchner Merkur habe ich Unrechtsbewusstsein erwartet.“ Weil dies offensichtlich beim Merkur fehle und dieser behauptet, auch andere Zeitungen arbeiten mit manipulierbaren Umfragen, habe er Beschwerde beim Presserat eingereicht.

Laut Auskunft eines Referenten soll es die erste Beschwerde beim Deutschen Presserat im Zusammenhang mit Online-Umfragen sein. Die Beschwerde hat deshalb grundsätzliche Bedeutung. Wildt empfiehlt der Selbstkontrolle der Zeitungsverleger und Journalisten, Empfehlungen für die Anforderungen an Online-Umfragen herauszugeben. Wildt, lange Jahre Journalist bei der in Berlin erscheinenden taz, die tageszeitung, und später einer der Regierungssprecher der Berliner CDU-/SPD-Koalition Ende der 90er Jahre, kritisiert: „Manipulierbare Online-Umfragen gefährden die Glaubwürdigkeit des Journalismus. Journalisten, die vorsätzlich manipulierte Umfragen veröffentlichen, gefährden diese Glaubwürdigkeit in ganz besonderer Weise.“

Wildt hatte dem Verlag die Beschwerde beim Presserat angekündigt. Der Verlag hat inzwischen die beanstandete Umfrage entfernt, aber nicht erklärt, er werde in Zukunft das beanstandete Umfrage-Tool nicht mehr einsetzen.

Der Münchner Merkur, manipulierbare Online-Umfragen und die Glaubwürdigkeit des Journalismus werden auf der  Veranstaltung „Zukunft unserer Zeitung“ am 29. Juni in Passau ein Thema sein. Siehe gruene-passauland.de/zeitung

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