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Bündnis 90/Die Grünen

Landkreis Passau

Marktrat gegen Konzept für öffentliche Blühflächen

Ulrich Swobodas Antrag mit 14:1 Stimmen abgelehnt – Bisherige Maßnahmen seien ausreichend – Als Vorwurf gegen Landwirtschaft ausgelegt

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24. Feb. 2017 –

Alles andere als grün sind die Tittlinger Markträte ihrem Ratskollegen Ulrich Swoboda, einziger Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen im Gremium, bei dessen Antrag zur Schaffung von Blühstreifen oder Blühflächen auf kommunalem Grün. Mit 14:1 Stimmen wurde die Idee verworfen – mit der Begründung, dass es ohnehin schon einige Hektar Ökoflächen in öffentlicher Hand in der Marktgemeinde gibt. Dritter Bürgermeister Robert Koller wertete Swobodas Vorstoß gar als Vorwurf gegenüber der Landwirtschaft.

Koller stieß sich an den Erläuterungen zum Antrag. Der Grünen-Kommunalpolitiker schreibt darin, dass sich "durch die negative Entwicklung unserer Kulturlandschaften durch die intensivierte Landwirtschaft die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert" hätten. Überdeutlich sei dies an den hohen Verlusten der Honig-bienenvölker zu erkennen. Als noch dramatischer skizziert Swoboda die Situation bei Wildbienen. Von den etwa 550 Wildbienen-Arten stünden 52 Prozent auf der Roten Liste, 39 Arten gelten bereits als ausgestorben oder verschollen, wie der Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen betont.

"Rundumschlag gegen die Landwirtschaft"Wer mit offenen Augen durch die Gegend fahre, der sehe, "dass das nicht so ist", erwiderte Marktrat und Landwirt Koller. Wo beispielsweise Rasenflächen benötigt würden, wie bei Spielplätzen, sei eben kein Platz für eine Blumenwiese, konterte er. In Tittling sei man ohnehin auf einem guten Weg – auch dank der Aktivitäten des Gartenbauvereins. Das eindeutige Fazit des ÜW-Fraktionsvorsitzenden zum Antrag Swobodas: "Das braucht es nicht."

Als Vorreiter auf diesem Gebiet bezeichnete Bürgermeister Helmut Willmerdinger (parteifrei) die Marktgemeinde. Um diese Aussage zu untermauern, ließ er von Bauamtsleiter Peter Schirrotzki die bisher bereits angelegten Öko-flächen, die nach dessen Worten jährlich überwacht würden, im Gemeindebereich – unter anderem auf dem Blümersberg – aufzeigen. Verschiedene Areale würden vom Landschaftspflegeverband betreut. Eine große Ausgleichsfläche gebe es beispielsweise im Bereich Hör-mannsdorf Richtung Rothau, so Schirrotzki. Nach der jeweiligen Überprüfung werde der Bauhof beauftragt, die in Frage kommenden Gebiete herzurichten.

Als immer begrüßenswert stufte Gabriele Weber (CSU) solche Ideen und Maßnahmen ein. Sie verwies auch auf Aktionen am und rund um den Marktplatz. Die in Tittling vorhandenen Blühflächen erachtete die Markträtin für ausreichend und warf die Frage auf, wer denn zusätzliche Bereiche pflegen solle. Hier hakte Therese Kern (CSU) auch namens des Obst- und Gartenbauvereins ein: "Von allein ist nichts schön." Sie wies auf die regelmäßige Prämierung besonders gepflegter Privatgärten hin.

Dankbar zeigte sich Bürgermeister Willmerdinger in diesem Zusammenhang dafür, wenn Hausbesitzer auch die öffentlichen Flächen vor ihren Anwesen mitbetreuten. Die mit einem öffentlichen Blühstreifen-Konzept verbundenen Kosten führte Josef Artmann (CSU) ins Feld. "Die Arbeit müssen unsere Bürger zahlen", gab er zu bedenken. Von Artmann, im Hauptberuf Bauer, erntete Antragsteller Swoboda ebenfalls Kritik für den "Rundumschlag gegen die Landwirtschaft". Stattdessen solle man miteinander an einem Strang ziehen, so der zweite Bürgermeister.

Es gehe nicht um eine kleine schöne Blumenwiese, die prämiert werden solle, versuchte Swoboda sein Anliegen zu präzisieren. Er sprach von der Glyphosat-Problematik und bekundete, in Tittling "äußerst wenig Blühflächen" zu sehen. "Wer hat denn Brennnesseln im Garten?", fragte der Grünen-Politiker in die Runde und kündigte an, in seinem eigenen Garten heuer rund 100 Quadratmeter entsprechend zu gestalten – "wahrscheinlich mehr als Tittling". Natürlich stehe auch fest, "Umwelt kostet Geld", fügte Swoboda an.

Kein Bedarf an Pflegekonzept"Einfach ein wenig zu schwarz gemalt" – so charakterisierte Bernhard Grum die Argumentation Swobodas. Der SPD-Fraktionsvorsitzende empfahl als Alternative, einzelne Maßnahmen durch die Marktgemeinde zu unterstützen. Die direkte Ausarbeitung eines Konzeptes könne man sich sparen. Ähnlich äußerte sich der Bürgermeister. In Erinnerung rief er eine Aktion mit einem Förster am Rothauer See in einem Umfang von einigen tausend Quadratmetern. Ein gewaltiger Anteil sei bereits angelegt in Ökoflächen und insektenfreundlichen Gehölzen, so Willmerdinger.

Georg Breinbauer (FW) brach eine Lanze für die Landwirte: "Wir Bauern tun schon viel." Viele seiner Berufskollegen hätten selbst Bienen, merkte er ergänzend an und erwähnte zum Beispiel Förderprogramme im Zusammenhang mit dem sogenannten Greening. Ein Ja für entsprechende Informationen an die Bürgerschaft signalisierte Armin Kaiser (ÜW), Vorschriften lehnte er allerdings ab. Den vom Bürgermeister formulierten Beschlussvorschlag, dass der Markt Engagement für Blühstreifen und -flächen unterstütze, aber keinen Bedarf an einem weitergehenden Pflegekonzept sehe, befürwortete das Gremium – mit Ausnahme von Ulrich Swoboda.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 24.02.2017
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