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  • Viele Menschen haben im Garten einen Privatpool, der mehrmals im Sommer gefüllt werden muss. Das trägt allerdings zur Wasserknappheit bei. Foto: Dasha Petrenko/123rf.com

Langsam wird‘s knapp! Sinkendes Grundwasser im Passauer Land

Grundwasserstände erschreckend niedrig - Saibold und Haberzettl schlagen Alarm

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28. Aug. 2019 –

„Die Grundwasserstände in Niederbayern sind derzeit extrem niedrig“, vermeldet die Regierung von Niederbayern. „Hitze, ausgetrocknete Böden, warme und träge fließende Rinnsale, von sprudelnden Bächen keine Spur. Der Klimawandel zeigt sich mehr und mehr auch in Bayern“, meinte Claus Kumutat, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, schon im Jahr 2015. Und es wurde schlimmer.

Halo Saibold wandte sich in dieser Sache auch schon an Landrat Franz Meyer. „Wie kann es sein, dass nach Auskunft des Umweltministeriums in der Gemeinde Aldersbach für 2014 eine Wassermenge von 50 000 Kubikmeter aus dem Grundwasser und 90 000 Kubikmeter Oberflächenwasser zur Bewässerung für Gemüse genehmigt war, von 2015 bis 2018 95 000 Kubikmeter und 90 000 Kubikmeter, aber 2019 auf einmal 212 000 Kubikmeter – ohne Angabe für das Oberflächenwasser, aber ebenfalls für Gemüse – genehmigt wurde.“

Saibolds Einwand: Die Kreisverwaltungsbehörde muss das genehmigt haben in dem Wissen, dass es in Aldersbach große Probleme bei der Hausbrunnenversorgung durch das Absinken des Grundwassers gibt und auch durch den häufigen Niedrigst-Wasserstand der Vils mit all seinen negativen Auswirkungen auf Flora und Fauna! Saibolds dringende Frage daher: Wie viel Wasser darf 2019 aus der Vils entnommen werden?

Nach Informationen von Halo Saibold wurde „einem Betrieb allein eine Menge von über 125 000 Kubikmeter für 2019 genehmigt, d. h. also, einer allein kann jetzt mehr verbrauchen als früher alle Abnehmer gemeinsam?“ Aber aus welchem Grund wurde so etwas genehmigt? Da die Rechtsbehörde unter Beteiligung des Wasserwirtschaftamtes sowie weiterer Fachbehörden prüfen muss, ob „durch das geplante Vorhaben ... schädliche, auch durch Nebenbestimmungen nicht vermeidbare oder nicht ausgleichbare Gewässerveränderungen zu erwarten sind. Nur wenn dies ausgeschlossen werden kann, darf eine wasserrechtliche Zulassung erteilt werden.“ (Zitat Bay. Umweltministerium v. 14. Juni .2019).

Hierzu hat auch Ulrich Has aus Aldersbach etwas zu sagen. Denn er ist, wie auch alle anderen Anwohner der Straße „Im Moos“ , nicht am Trinkwassernetz angeschlossen. Sie beziehen ihr Trinkwasser direkt aus eigenen Bohr- oder Schachtbrunnen. Laut den Angaben der Messstelle Walchsing liegt der letzte Messwert 321,78 Meter über NN, weshalb die landwirtschaftliche Bewässerung nach Has‘ Informationen durch einen Landwirt nur noch eingeschränkt erfolgen darf, da die Entnahme des Grundwassers bei 321,8 Meter über NN eigentlich eingestellt werden muss.

„Vom Wasserwirtschaftsamt werden wir immer wieder ‚beruhigt‘ dass unser Brunnen wegen der Fließrichtung des Grundwassers zur Vils gar nicht von der landwirtschaftlichen Bewässerung betroffen sein kann. Das sind meines Erachtens aber rein theoretische fachliche Annahmen. Die Grundwasserbestände sind nach meiner Ansicht in einer Art kommunizierender Röhren miteinander verbunden“, erklärt Ulrich Has. Und nicht nur er stellt sich dabei die Frage wie von 2018 auf 2019 eine Erhöhung der Grundwasserentnahme von mehr als das doppelte genehmigt werden konnte.

Has befürchtet: „Wenn mit dem kostenlosen Grundwasser weiterhin so verschwenderisch umgegangen wird (warum ist das eigentlich kostenlos?), dann wird es für uns dramatisch. Im letzten Jahr gab es eine Situation, wo unser Brunnen trocken lief. Nachlaufendes Wasser wurde erdig und es war kaum verwendbar“, klagt Ulrich Has. „Dieser Zustand erholte sich Gott sei Dank. Wenn das Grundwasser in diesem Jahr wieder den historischen Tiefpunkt wie im letzten Jahr erreicht und unser Brunnen trocken läuft, dann müssen wir an das Aldersbacher Trinkwassernetz angeschlossen werden, was für jeden von uns Kosten um die 10 000 Euro verursachen würde.“

Ein weiteres (Luxus)Problem bringt der Passauer Bundnaturschützer Karl Haberzettl zur Sprache. Ihm geht es dabei vor allem auch um die unzähligen Swimmingpools, die seit Jahren wie Schwammerl in den privaten Gärten sprießen. Haberzettl beklagt: „Die Menge an Pools, die gebaut werden, nimmt ständig zu. Auf einem Luftbild des ‚Bayernatlas‘ von einer Passauer Gemeinde sieht man, wie viele Pools – jetzt auch die billigen aus dem Supermarkt — in den Gärten stehen. Jeder einzelne fasst etliche Kubikmeter und es wird zig mal im Sommer das Wasser gewechselt. Dabei ist der Wasserverbrauch jedes einzelnen ganz einfach zu hoch!“

Und Karl Haberzettl klagt in puncto Wasserverschwendung weiter an. Denn, um ein Kilo Rindfleisch herzustellen, benötigt man 15 000 Liter virtuelles Wasser. Weniger Fleisch ist also Grundwasserschutz. „Oder man stellt sich, so wie ein österreichischer Unternehmer, die Frage: Sind Pilze das bessere Fleisch?“

Haberzettl hat das Horror-Szenario bereits vor Augen. Auch bei vom Bund Naturschutz angekauften Feuchtflächen erlebt er die Auswirkungen der Trockenheit, wenn in den Sommermonaten ganze Bachläufe austrocknen. Er erzählt weiter: „Ich habe letztens mit einem 85-jährigem Grundstücksnachbarn geredet. Er sagte auch ohne Umschweife, dass dieses Trockenfallen seit ungefähr zwölf Jahren zu beobachten ist mit steigender Tendenz. Aufgrund des Alters müsse er sich darüber zwar keine Sorgen mehr machen, aber die Junge Generation eben schon.“

Quelle: Passauer Woche vom 28.08.2019
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