S

Bündnis 90/Die Grünen

Landkreis Passau

  • Der Haltepunkt Tiefenbach der Ilztalbahn in Unterjacking wird vorerst weiterhin nur im touristischen Saisonbetrieb bedient. − Foto: Schauer
    Der Haltepunkt Tiefenbach der Ilztalbahn in Unterjacking wird vorerst weiterhin nur im touristischen Saisonbetrieb bedient. − Foto: Schauer

Ilztalbahn: Befürworter drängen auf Ja des Landkreises

Boris Burkert (Grüne): Nur mit der Bahn staufrei von und nach Passau. Eike Hallitzky (Grüne): Potenzialanalyse ist unabdingbar.

Teilen!

10. Mai. 2016 –

MdL Bernhard Roos lädt zu Diskussion um die Potenzialanalyse - Vertreter aus Freyung-Grafenau sprechen sich für den Regelbetrieb aus

von Hans Schauer

Tiefenbach. Die Diskussion, ob eine Potenzialanalyse für einen Regelbetrieb der Ilztalbahn (ITB) zwischen Passau und Freyung durchgeführt werden soll, geht unvermindert weiter. Auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Bernhard Roos - selbst Pate der Ilztalbahn GmbH - trafen nun im Gasthof Knott in Jacking Befürworter und Gegner aufeinander.

Derzeit verkehrt die ITB nur im Wochenendverkehr, will aber in den Regelverkehr einsteigen. Dafür benötigt sie jedoch eine Potenzialanalyse, die eine Nachfrage von 1000 Reisenden pro Tag ergibt.

Doch vor allem das Zusammenwirken der ITB mit dem ÖPNV wird im Landkreis Passau heiß diskutiert. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat zwar angeboten, eine Fahrgastprognose anzufertigen. Voraussetzung sind jedoch positive Beschlüsse. Diese liegen von der Stadt Passau und vom Landkreis Freyung-Grafenau vor. Der Landkreis Passau konnte sich aber nicht zu einem klaren Ja durchringen.

Roos bedauerte, dass manche Mandatsträger von der Gewohnheit getragen seien, Dinge ausschließlich aus regionaler Sicht zu betrachten anstatt auch mal über den Tellerrand hinauszuschauen. Der Geschäftsführer der Ilztalbahn GmbH, Prof. Dr. Thomas Schempf, erklärte das weitere Vorgehen: Wenn die BEG trotzdem die Analyse anfertigt, seien verschiedene Faktoren einzubeziehen. Dazu gehören ein abgestimmtes Zug-Bus-Konzept und die Infrastruktur an den Haltestellen. Ein Regelbetrieb der ITB solle keine Fahrgäste von den Bussen abziehen, sondern den Autoverkehr drosseln, betonte Schempf.

Der stellvertretende Landrat des Landkreises Passau, Klaus Jeggle, betonte, der Landkreis sei nicht gegen den Fahrbetrieb in der jetzigen Form, sondern gegen einen Regelbetrieb. Das bestehende ÖPNV-Netz dürfe nicht durch die ITB leiden. Der Landkreis Passau akzeptiere auch keine Zusatzbelastung seines ÖPNV-Budgets durch Zubringerfahrten zu Haltepunkten der ITB. Es dürfe keine Verschlechterung bei der Schülerbeförderung geben, weswegen auch die Gemeinden Tiefenbach, Ruderting und Hutthurm entsprechende Beschlüsse gefasst und eine Potenzialanalyse abgelehnt haben.

Fahrgäste vor allem auf der Langstrecke

Als Vertreter der Regionalbus Ostbayern GmbH (RBO) sagte Verkehrsplaner Dr. Thomas Huber, dass für eine Potenzialanalyse noch keine Referenzbeispiele vorhanden sind. Die Versuchsstrecke zwischen Gotteszell und Viechtach im Landkreis Regen zeige aber bereits erste Auswirkungen. Sei man anfangs von 300 Schülern ausgegangen, die zwischen Gotteszell und Viechtach den Zug nehmen, seien es nun 120.

Eike Hallitzky, Passauer Kreisrat und Landesvorsitzender der Grünen, wollte von der ITB wissen, wie sich das Fahrgastpotenzial entlang der Strecke verteilt. Er spekuliert auf einen Verkehrsverbund zwischen Stadt und Landkreis Passau und hält eine Potenzialanalyse für unabdingbar. Für ITB-Geschäftsführer Thomas Schempf wäre ein größerer Verkehrsverbund, zum Beispiel Donau-Wald, am sinnvollsten. Von den Fahrgästen aus Passau fahren 90 Prozent bis Waldkirchen oder Freyung. Seiner Meinung nach werden Fahrgäste überwiegend auf der Langstrecke generiert. Huber gab zu bedenken, dass bei einem Regelbetrieb der ITB auf der Strecke Passau - Freyung auch die bestehenden Buslinien zwischen Freyung oder Waldkirchen und Passau tangiert werden.

Der Vorsitzende des Fördervereins der Iltzalbahn, Michael Liebl, berichtete, im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Unterer Bayerischer Wald habe die Region um Passau einen Regelverkehr auf der Bahnstrecke Passau - Freyung gefordert. Der Landkreis Passau sei kaum betroffen, weil die Zugtrasse anders verläuft als das Straßennetz. Niemand solle eine Verschlechterung erfahren, sondern die ganze Region profitieren, vor allem die Bürger im Landkreis Freyung-Grafenau.

Aus Sicht des ehemaligen stellvertretenden Landrats des Landkreises Freyung-Grafenau, Helmut Behringer, ist ein Regelbetrieb wirtschaftlich überlebenswichtig für Freyung-Grafenau. Er appellierte an Jeggle, der Landkreis Passau möge die guten nachbarschaftlichen Beziehungen bedenken und einer Potenzialanalyse zustimmen.

Für den Passauer Stadtrat Boris Burkert (Grüne) ist die Bahn das einzige Verkehrsmittel, um staufrei nach Passau und heraus zu kommen. Er zeigte sich enttäuscht über die ablehnende Haltung des Landkreises Passau, die eine Solidarität mit der Stadt und Freyung-Grafenau vermissen lasse.

Tiefenbachs Bürgermeister Georg Silbereisen versicherte, die Gemeinde habe nichts gegen einen Bahnverkehr für Touristen. Im ÖPNV spiele die Bahn aber eine untergeordnete Rolle. Darüber hinaus müsste die Gemeinde unter anderem befestigte Parkplätze am Haltepunkt auf eigene Kosten schaffen, was er ablehnt.

Für MdB Rita Hagl-Kehl aus dem Landkreis Freyung-Grafenau, Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, ist der Erhalt des Gleiskörpers zwischen Passau und Freyung für die Region überlebenswichtig. Die wöchentlichen 11000 Auspendler nach Passau, Deggendorf und München sprächen für sich. Schüler, die in Passau eine weiterführende Schule besuchen, kämen wegen der morgendlichen "Rush-Hour" oft zu spät zum Unterricht. Sie appellierte an die politischen Mandatsträger in Stadt und Landkreis Passau, die Menschen im Landkreis Freyung-Grafenau nicht zu vergessen.

Für den Leiter der RBO-Niederlassung "Marketing, Finanzen/Controlling" in Passau, Günter Neumayer, müsste der Freistaat mehr für die Vernetzung des ÖPNV tun. Wenn Fahrgäste vom Bus zur Bahn abwandern, müsste der Landkreis Passau die Verdienstausfälle ausgleichen.

Ohne klare Zustimmung gibt es keine Analyse

Roos berichtete, dass die SPD-Landtagsfraktion einen Antrag gestellt hat, für ganz Bayern ein ÖPNV-Konzept zu erstellen. Er plädierte auch für die Durchführung einer Potenzialanalyse, denn diese könnte Klarheit über die Fahrgastzahlen bringen. Zu betrachten ist seiner Meinung nach auch die unterschiedliche Entwicklung der Bevölkerungszahlen in der Region. Für ihn ist es unverständlich, warum sich die Bahn an den Bus anpassen sollte, obwohl selbst die Staatsregierung einen Vorrang für die Schiene sieht. Roos betonte, dass die Positionen der betroffenen Kommunen gewürdigt werden müssen. Bei einem Telefonat mit der BEG wurde ihm mitgeteilt, diese sehe momentan keinen Bedarf für eine Potenzialanalyse, solange der Landkreis Passau nicht deutlich zustimmt.

Quelle: Passauer Neue Presse 21.03.2016
Wir danken der PNP für die freundliche Genehmigung der kostenlosen Nutzungsrechte auf unserer Website.

« Zurück | Blog: Nachricht »

Diese Website ist gemacht mit TYPO3 GRÜNE, einem kostenlosen TYPO3-Template für alle Gliederungen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
TYPO3 und sein Logo sind Marken der TYPO3 Association.