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  • Zeigt im Bannwald, wie nahe die Wanderwege an der geplanten Rodungsfläche verlaufen: Michael Hasenberger, Vorsitzender des Waldvereins Sektion Passau. -Fotos: Jäger

"Die jetzige Lösung ist nicht die richtige"

Waldvereinsvorsitzender Michael Hasenberger wirbt um Verständnis für die Firma Brummer

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20. Sep. 2019 –

Selten hat ein Thema die Öffentlichkeit so aufgewühlt wie die geplante Rodung von Bannwald im Neuburger Wald. Seit Wochen wird heiß diskutiert, ob die Firma Brummer in Schmelzing 18 Hektar des Bannwalds für ihre Betriebserweiterung abholzen darf, wenn sie im Anschluss an den Bannwald eine Ausgleichsfläche schafft und dort einen neuen Wald anpflanzt.

Da das angrenzende Gebiet an den von der Rodung betroffenen Bannwald vom Waldverein Sektion Passau betreut wird und sich in unmittelbarer Nähe drei Wanderwege befinden, hat sich Vorsitzender Michael Hasenberger, Chef von rund 1000 Mitgliedern, nun ein Bild vor Ort gemacht. "Es ist doch etwas anderes, als wenn man sich auf ein Luftbild oder ältere Aufnahmen verlässt", hat der 34-Jährige festgestellt. Das Argument der Firma, es handle sich um Monokultur, die ohnehin sehr anfällig für Schädlinge sei, kann er nicht bestätigen.

Die Firma Brummer in Schmelzing möchte 18 Hektar des Bannwaldes im Neuburger Wald roden. Michael Hasenberger bittet um Prüfung, ob eine Erweiterung nicht auf die andere Seite möglich wäre.

Die Firma Brummer in Schmelzing möchte 18 Hektar des Bannwaldes im Neuburger Wald roden. Michael Hasenberger bittet um Prüfung, ob eine Erweiterung nicht auf die andere Seite möglich wäre.

Hasenberger: "Es stimmt, dass hier einmal ein Unwetter oder Befall den Wald schwer beeinträchtigt haben", sagt er beim Spaziergang auf dem Forstweg direkt hinter dem Parkplatz der Firma Brummer. "Aber die Monokultur liegt rund 20 Jahre zurück. Seither ist hier ein Mischwald aufgegangen", sagt er und zeigt rechts und links auf die Bäume. Diesen nachgewachsenen Wald zu roden, könne er als Waldvereinsvorsitzender nicht gutheißen. "Das wäre ein massiver Eingriff in den Wald. Denn es würde wieder 20 bis 30 Jahre dauern, um den Nettoverlust an Natur auszugleichen, wenn man jetzt an anderer Stelle einen neuen Wald anpflanzen würde, bis er soweit ist wie der jetzige."

Auf der anderen Seite kann Michael Hasenberger als stv. Bezirksvorsitzender der Mittelstandsunion Niederbayern natürlich die Belange der Firma Brummer nachvollziehen. "Ich muss auch eine Lanze für das Untennehmen brechen, das jetzt von vielen als Umwelt- und Klimasünder hingestellt wird."

Sich mit deutschen Standards und Vorschriften im Wettbewerb mit internationalen Speditionen zu behaupten, sei alles andere als einfach. Die Firma gehe sparsam mit Ressourcen um, besitze einen modernen Fuhrpark und versuche, etwa mit Doppelbodensystemen in ihren Lkws, CO2 einzusparen, wo es nur ginge. "Man soll den Geschäftsleuten, die die Verantwortung für 700 Arbeitsplätze tragen, auch ihren Erfolg gönnen", findet Hasenberger.

Und allen, die sich jetzt hinstellen und sagen, sie würden auf die ganzen Lkw-Fahrten verzichten können, wirft er Doppelmoral vor. "Wer nicht gerade ein Selbstversorger ist, kann das nicht von sich behaupten. Denn Joghurt und Butter müssen halt irgendwie in den Supermarkt kommen. Und dazu braucht man solche professionellen Speditionen."

Um sich alle Positionen anzuhören, hat Hasenberger, der obendrein stv. Kreisvorsitzender der CSU Passau-Stadt ist, das Gespräch mit Neuburgs Bürgermeister Wolfgang Lindmeier (CSU) gesucht. Sein Eindruck danach – und hier spricht wieder ganz der Waldvereins-Vorsitzende: "Die jetzige Lösung ist nicht die richtige. Die kann ich von Seiten des Waldvereins nicht gutheißen. Vielleicht finden die Planer eine andere Möglichkeit, vielleicht kann die Firma ja in die andere Richtung, also nicht auf die Waldseite, erweitern. Vielleicht muss man doch einen zweiten Standort diskutieren."

Weniger Verständnis für die Firma Brummer dagegen zeigt Grünen-MdL Toni Schuberl. Es handle sich "um ein klimaschädliches Unternehmen", erklärt er. Längere Frachtfahrten mit dem Lkw will er in Zukunft am liebsten ganz abschaffen: "Unser Ziel muss es sein, längere Frachten mit der Bahn und nicht mit dem Lkw durchzuführen. Lkw-Fahrten sollten nur noch die ersten Kilometer bis zur Bahn und die letzten Kilometer von der Bahn bis zum Ziel durchgeführt werden. Die Zunahme der Lkw-Logistik ist deshalb als negative Entwicklung anzusehen."

Der Firma selbst attestiert er "unsoziales Verhalten und Erpressungsversuche". Schuberl führt aus: "Da wird die benachbarte Bevölkerung in Neuburg durch vielfache Lkw-Transporte belastet, nur um die Lkw-Maut zu sparen. Zahlreiche Bitten und Proteste der Bevölkerung bleiben ungehört und mit dem Verweis auf das Gewinnstreben abgetan. Dabei ist die Firma ja in direkter Nähe an der Autobahnauffahrt angesiedelt, so dass ein Umfahren Neuburgs sehr einfach wäre. Für den Fall, dass die Erweiterung nicht klappe, droht das Unternehmen der Bevölkerung mit einer massiven Zunahme an Lkw-Fahrten durch Neuburg."
Der Grünen-MdL gibt zudem zu bedenken, dass alter Bannwald im Falle einer Rodung nicht einfach durch neuen Wald ersetzt werden könne. "Die positive Wirkung eines Waldes ist bei einem alten Wald deutlich stärker", äußert sich Schuberl.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 18.09.2019
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