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Bündnis 90/Die Grünen

Landkreis Passau

  • von links nach rechts im Bild: KJR-Geschäftsführer Berhard Gruber, Jugendpflegerin Sandra Straube, Kreisrätin Brigitte Steidele, KJR-Geschäftsführer Roland Meier, Kreisrätin Veronika Fischl, Kreisrat Frederic Müller, Fraktionsvorsitzender Eike Hallitzky

Der große Wert kommunaler Jugendarbeit

Grüne Kreistagsfraktion unterstützt Kreisjugendring

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05. Dez. 2021 –

Corona, Klimaschutz und kommunale Jugendarbeit – spannende Themen bildeten den Rahmen des diesjährigen Austausches des Kreisjugendrings (KJR) mit der GRÜNEN-Kreistagsfraktion. Zunächst natürlich: Corona. Bernhard Gruber, Vorsitzender des KJR kritisiert, dass bei den Diskussionen um einen Lockdown die Jugendlichen in den Schulen lange Zeit nur als schulische Leistungsträger wahrgenommen worden seien, nicht mit ihren Bedürfnissen als heranwachsende Persönlichkeiten. „Uns nimmt keiner wahr“, hätten Jugendliche immer wieder geklagt, wenn sie zuhause bleiben mussten, die Baumärkte aber offen blieben. Da seien sich Jugendliche oft als ungehörte Verschiebemasse vorgekommen. 

Corona-Öffnungen: Jugend zuerst!

Bei allen Lockerungen müsse deshalb gelten: Kinder und Jugendliche zuerst. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Eike Hallitzky, ist seit längerem klarer Befürworter einer Impfpflicht. Mit Gruber ist er sich einig: „Beim Impfen geht es vorrangig um gesellschaftliche Verantwortung. „Welche Auswirkungen hat es für Jugendliche, wenn sich die Alten nicht impfen?“ Denn gerade in der Jugendarbeit spüre man die Folgen der Pandemie sehr deutlich, erläutert Roland Meier, Geschäftsführer des KJR. „Oft fehlt den Jugendlichen der Ansprechpartner, die Folgen der Pandemie sind vielfältig - von Vereinzelung bis hin zu Essstörungen oder Selbstverletzungen.“ Man versuche dies so gut es geht mit online-Angeboten aufzufangen. Mit großem Aufwand sei es so möglich, eine Zeitlang zu „überwintern“. Aber, so Meier: „Für die Entwicklung der Jugendlichen kann nichts ihren direkten Kontakt untereinander ersetzen.“

Kreisrat Frederic Müller, der seit über 25 Jahren selbst als Erzieher und Familienberater tätig ist, unterstreicht nochmals, wie wichtig es ist, sich die Bedürfnisse der Jugendlichen immer wieder vor Augen zu führen: „Die Angebote der offenen Jugendarbeit sind von unschätzbarem Wert zur Unterstützung einer gesunde Entwicklung unserer jungen Menschen“, denn „sie schaffen Möglichkeiten, ihre sozialen Fähigkeiten im Umgang mit Gleichaltrigen zu erproben und bieten zugleich wichtige emotionale  Spielräume für Ihre Entwicklung. Diese Arbeit leistet für unsere Gesellschaft einen unschätzbar großen Beitrag zur Prävention von sozial-emotionalen Problemen – und entlastet gleichzeitig die Eltern bei der Erziehung.“  

GRÜNEN-Kreisrätin Veronika Fischl fragt nach der Einstellung der Jugendlichen und der Arbeit des KJR zum Klimaschutz. „Ist das für unsere Jugend ein Thema? Denken sie daran, was sie selber dazu beitragen zu können, um die Selbstzerstörung unserer Welt durch den Menschen zu verhindern?“ Die Antwort des KJRs zeigt die Vielschichtigkeit des Problems. Immer mehr Jugendliche würden sich Gedanken über die Zukunft machen. Und natürlich gebe es auch diejenigen, die sich hier sehr konkret engagieren, wie beispielsweise bei fridays for future. Aber zumeist ist dieses Thema zu groß und zu komplex - und vielleicht auch zu bedrohlich. Meier: „Deshalb ist es Aufgabe des KJR, mit niederschwelligen Angeboten, das Bewusstsein von Selbstverantwortung und vom eigenen Platz in unserer Demokratie zu vermitteln. So wie wir das mit unserem Ökomobil versuchen.“ Gruber lobt in diesem Zusammenhang, dass es vor zwei Jahren eine weitere Stelle für kommunale Jugendarbeit geschaffen worden sei, dessen Schwerpunkt genau hier liegen würde, denn „alles was wichtig wäre, steht natürlich immer unter dem Vorbehalt der begrenzten Ressourcen in der Jugendarbeit.“

PäPiG – große Chance für jede Gemeinde

Wie viele Gemeinden in unserem Landkreis beteiligen sich an dem Projekt PäPiG, will Fischl wissen. Das Ziel von PäPiG ist es, die offene Jugendarbeit in den Städten und Gemeinden des Landkreises auszubauen. Die einzelnen Gemeinden können hier für eine bestimmte Stundenzahl Sozialpädagog*innen als Gemeindejugendpfleger*innen buchen. Mit diesem Kontingent können z.B. offene Jugendtreffs betreut werden, aufsuchende Jugendarbeit erfolgen, Bedarfsanalysen gemacht und Bürgermeister*innen beraten werden, die Vernetzung der örtlichen Vereine unterstützt werden. Doch es sind bisher lediglich 13 der 38 Städte, Märkte und Gemeinden, die das Angebot nutzen. Viel zu wenig, meint die GRÜNEN Kreistagsfraktion. 

Die dritte Bürgermeisterin von Bad Füssing, Brigitte Steidele, bemüht sich PäPiG auch in ihrer Gemeinde ins Werk zu setzen. Dabei wird sie nun von den Expert*innen des KJR bestärkt. Steidele: „Ich denke es geht letztlich darum, dass sich Jugendliche mit ihrer Heimatgemeinde identifizieren und sich hier als Mitglied auch wirklich ernstgenommen fühlen.“ Gruber bestätigt dies: „Zum einen bevorzugen junge Eltern - gerade solche, die ursprünglich aus städtischen Regionen stammen – bei ihrer Wohnortwahl Gemeinden mit einer jugendfreundlichen Infrastruktur. Vor allem aber bindet kommunale Jugendarbeit Jugendliche auch langfristig an ihre Gemeinde. Sie wollen dann dort auch mit ihren eigenen Kindern leben.“

Jeder Cent ist gut investiert

Wie können Jugendliche ihre Sichtweisen auch über die klassischen jugendpolitischen Inhalte hinaus in die Gemeindepolitik einbringen? Wie sollten die Busverbindungen aussehen, wo braucht die Gemeinde Radwege, wie können die öffentlichen Räume jugendfreundlich gestaltet werden? Auf diese und viele andere Fragen müssen Gemeinden eine Antwort finden, wenn sie für die Zukunft attraktiv sein wollen. Als Einstieg dafür biete sich sicherlich eine Jugendbürger*innen-Versammlung an, idealerweise gemeinsam organisiert mit der Gemeinde-Jugendpflegerin, so Eike Hallitzky. In seiner Gemeinde Neuburg am Inn wurde das Stundendeputat der Pflegerin gerade von fünf auf zehn Stunden verdoppelt, „weil es ein absolut überzeugendes Konzept ist.“ Jugendpflegerin Sandra Straube betont, „dass der offene Austausch mit einer Jugendbürger-Versammlung nicht erledigt, sondern diese erst der Anfang ist. Das ist ein Prozess - und dieser Prozess wird um so mehr Erfolg haben, je gleichberechtigter die Jugendlichen mit ihren Anliegen Ernst genommen werden.“ Letztlich gehe es immer um eines, um Wertschätzung. „Jugendliche brauchen nicht sofort die Lösung, sondern sie müssen den Prozess erleben, verstehen und eingebunden sein.

Zwei Wünsche formulierten die Jugendexpert*innen des KJR abschließend an die Politik: erstens in politischen Gremien niemals die Jugendlichen vergessen und zweitens sich immer bewusst sein, dass Prävention durch eine starke Jugendarbeit immer sehr viel preiswerter ist als Schadensbeseitigung und sie zudem die Lebensqualität einer Gemeinde fördert. „Hier ist jeder Cent gut investiert“, so Kreisrätin und Mitglied im Jugendhilfeausschuss Brigitte Steidele.

- Presseerklärung der Kreistagsfraktion -

 

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