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  • Die Runde der Spaziergänger bestand zu einem großen Teil aus Bürgern aus der Umgebung des Neuburger Waldes. Aber auch Kommunalpolitiker aus Stadt und Landkreis sowie Naturschützer nahmen am Waldspaziergang der Bürgerbewegung teil. -Fotos: Kowarik
  • Landschaftsarchitektin Dorothee Hartmann verwies auf die kommunale Bezeichnung "Paradiesstraßerl" und zeigte den bedrohten Bereich auf einem Luftbild.
    Landschaftsarchitektin Dorothee Hartmann verwies auf die kommunale Bezeichnung "Paradiesstraßerl" und zeigte den bedrohten Bereich auf einem Luftbild.

Das "Schatzkästchen vor der Haustür" schützen

Waldspaziergang der Bürgerbewegung – "Keine Rodungen im Neuburger Wald" – Gemeinde müsse das Verfahren beenden

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24. Okt. 2019 –

Einen weiteren Waldspaziergang veranstaltet hat die Bürgerbewegung gegen die geplanten Rodungen in Neuburger Wald für Gewerbegrund. Michael Held, vor seiner Pensionierung Leiter des Staatsforstenbetriebs Neureichenau, begrüßte auf der Forststraße unweit der Spedition Brummer die Teilnehmer, "um den kaputten Wald anzuschauen – wie es immer wieder formuliert wird".

Die Runde bestand zu einem großen Teil aus Bürgern aus der Umgebung des Neuburger Waldes. Aber auch Kommunalpolitiker aus Stadt und Landkreis hatten sich eingefunden, darunter der Passauer Bürgermeister Urban Mangold, die Stadträte Karl Synek und Klaus Schürzinger, ebenso der Grünen-Landesvorsitzende Eike Hallitzky, der ja in Neuburg wohnt, der in Neuhaus ansässige Vorsitzende der Landkreis-Grünen Dirk Wildt, dazu SPD-Gemeinderat Joachim Eder aus Neuburg.
Held zitierte den Dichter Bertolt Brecht: "Weißt du, was ein Wald ist? Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude?". Die Anwesenden hätten sich zu diesem Spaziergang versammelt, um ihre Solidarität mit dem von Rodung bedrohten Wald zum Ausdruck zu bringen. Die Firma Brummer beabsichtigt, 18 Hektar der Waldfläche für die Erweiterung ihres Firmengeländes zu roden (PNP berichtete mehrfach).

"Der Wald ist wie eine große Klimaanlage"

Die geplante Rodung von 18 Hektar Neuburger Wald nannte Michael Held "aus Klima- und Waldschutzgründen nicht vertretbar". Diese Gründe standen im Mittelpunkt der Diskussionen während des Spaziergangs der Bürgerbewegung. Der Neuburger Wald sei "insgesamt sehr naturnah", erläuterte Held zu den Spaziergängern. Das beachtliche Vorkommen von Buchen, Eichen, Tannen und Fichten bezeuge dies. Ebenso sei bereits die nächste Waldgeneration vorhanden. Auch hohe Totholzanteile und geschützte Bereiche, darunter sogar ein FFH-Gebiet, machten den Neuburger Wald, in Fachkreisen weit über Bayern hinaus bekannt, zu einem "Schatzkästchen vor der Haustür, was vielen gar nicht bewusst ist", sagte Held.

Die allgemeine Bedeutung des Waldes beim Klimaschutz sei unschätzbar. "Der Wald ist wie eine große Klimaanlage", erläuterte Held und unterstrich diese Aussage mit Zahlen. "Eine 100 Jahre alte Buche filtert in einem Jahr eine Tonne Staub aus." Auch als Sauerstofflieferant und Kohlenstoffspeicher fungiere der Wald. Zum Klimaausgleich trage er entscheidend bei, indem er Wasser in die Luft abgebe, und ebenso zum Temperaturausgleich: "Wenn die Stadt Passau im Sommer aufgeheizt ist, kommt ihr die kühle Luft aus dem Neuburger Wald zugute", so Held. Ein Hektar Wald speichere pro Jahr 25 Tonnen Kohlenstoff, dabei auch der Boden des Waldes. Der Neuburger Wald sei zudem "als Trinkwasserspeicher für Passau und die umliegenden Gemeinden unersetzlich".

Darüber hinaus kam die Bedeutung des bedrohten Waldes für den Artenreichtum zur Sprache. Diverse Spechtarten, Fledermäuse, die Haselmaus, der Feuersalamander und viele Insekten und Reptilien bevölkern den Neuburger Wald, so Held.

Weiter spielt dieser Wald eine große Rolle als Schutz gegen Stürme. Ihn zu roden, widerspreche bereits in dieser Hinsicht dem Waldgesetz, betonte Michael Held. Insgesamt entspreche der Neuburger dem "Idealbild eines Mischwaldes", auch wenn er momentan "von Stürmen zerrupft" sei, und verfüge über eine besonders schützenswerte Strukturvielfalt. Auch die zahlreichen hier vertretenen Tier- und Pflanzenarten, verdanken sich einerseits den älteren Waldteilen, die viele über 100 Jahre alte Laub- und Nadelbäume aufweisen, andererseits aber auch den Freiflächen, auch jenen, die der Borkenkäfer verursacht hat. Thomas Hermann vom Naturwissenschaftlichen Verein Passau erläuterte die Bedeutung von Freiflächen und abgestorbenen Bäumen, in denen sich zum Beispiel Ameisen aufhalten, die als Nahrung für Spechte und andere Vögel dienen. Hermann betonte: "Der Neuburger Wald ist hochwertig. Es gibt kein Fleckerl, das man hergeben kann."

Zum Thema der als Trostpflaster für gerodete Waldflächen genannten "Ausgleichsflächen" meinte Michael Held, dass es sich dabei um fünf bis sechs Jahre alte Laubgehölze handeln würde, die noch dazu eingezäunt seien.

"Idealbild eines Mischwaldes"

Neben dem Aspekt der Erholung für gestresste Stadtmenschen sind auch Klimaschutz und Wasserspeicher wichtige Kriterien, weswegen der Neuburger Wald im behördeninternen Waldfunktionsplan, der allerdings für Gemeinden nicht bindend sei, auf Stufe 2 rangiert. Die Forderung Helds am Ende des Spaziergangs lautete: "Klimaschutz müssen wir jetzt machen." Auch für den bayerischen Ministerpräsidenten habe Klimaschutz Vorrang. "Wenn die Gemeinde generationsgerecht handeln will, muss sie das Verfahren beenden."

Eike Hallitzky stimmte ihm zu: "Rein betriebswirtschaftlich ist es verständlich, was die Firma Brummer plant. Aber das kann kein Grund sein, diesen Wald zu opfern." Ein Bürgerbegehren sei zu erwarten. Auch der Bund Naturschutz hatte ja schon im Falle des Falles eine Klage in Aussicht gestellt. Beim Bürgerbegehren, ergänzte Hallitzky, sei nun die Abgabe von Stellungnahmen anonym möglich, was früher in Neuburg nicht üblich war.

Bürgerbegehren ist zu erwarten 

Der Spaziergang führte die Teilnehmer genau an der geplanten Rodungsfläche entlang. Landschaftsarchitektin Dorothee Hartmann verwies auf die kommunale Bezeichnung "Paradiesstraßerl" und zeigte den bedrohten Bereich auf einem Luftbild. Hartmann warnte auch vor einer Umgestaltung der Landschaft mit negativen Folgen. Da man sich in einem Hügelland befinde, sei damit zu rechnen, dass für den Transport ausgehobener Erde bis zu 30000 Lkw-Fahrten Richtung Passau und durch den Landkreis erforderlich würden.

Auf ein weiteres Problem, das im Neuburger Wald vorhandene Quarzlager, machte Michael Held ebenfalls aufmerksam. Eine Firma dürfte bereits darauf warten, mit dem Abbau dieses Bodenschatzes beginnen zu dürfen.

Urban Mangold und seine ÖDP-Fraktion bemühen sich übrigens derzeit auch um einen Grundsatzbeschluss, dass für Gewerbegebiete überhaupt keine Rodungen mehr zulässig sein sollen. "Das wäre ein Prüfstein dafür, wie ernst es uns ist mit dem Klimaschutz", erklärte Mangold gegenüber der PNP.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 21.10.2019
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