Grüne informieren sich über neue Wege im Gemüsebau
Landkreis Passau. Wie kann mehr Gemüse regional erzeugt werden – und welche Voraussetzungen brauchen landwirtschaftliche Betriebe dafür? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Landesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der bayerischen Grünen bei einer Exkursion zu zwei Betrieben mit sehr unterschiedlichen Konzepten. Im Mittelpunkt standen dabei regionale Wertschöpfung, ökologische Produktion und neue Möglichkeiten, Energie möglichst effizient einzusetzen.
Hintergrund ist der vergleichsweise niedrige Selbstversorgungsgrad bei Gemüse in Bayern. Er liegt derzeit bei rund 35 bis 37 Prozent. Ein großer Teil des Gemüses wird damit importiert – zum Teil aus Regionen, in denen Wasser ohnehin knapp ist und lange Transportwege hinzukommen. Nach Ansicht der Grünen liegt deshalb großes Potenzial darin, die heimische Gemüseproduktion auszubauen und regionale Vermarktungsstrukturen zu stärken.
LAG-Sprecherin Maria-Therese Eiblmeier aus Dingolfing hatte zur Besichtigung zweier Betriebe eingeladen, die zeigen, wie unterschiedlich zukunftsfähiger Gemüsebau aussehen kann: besucht wurden der Bio Hof Geinberg im benachbarten Österreich und der Solawi Reisnerhof in der Gemeinde Kirchham.
Gemüsebau mit Geothermie
Am Bio Hof Geinberg stellte Geschäftsführer Wolfgang Steiner den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ökologische Gemüseproduktion in größerem Maßstab vor. Auf mehr als elf Hektar unter Glas werden unter anderem Tomaten, Paprika und Gurken angebaut, geerntet und verpackt. Vermarktet werden die Produkte sowohl regional als auch über den Lebensmitteleinzelhandel.
Eine Besonderheit ist die Energieversorgung der Gewächshäuser. Der hohe Wärmebedarf wird über vorhandene Geothermie sowie über Rückläufe der Therme Geinberg und des örtlichen Fernwärmenetzes gedeckt.
Für Sonja Keßler, Kreisvorsitzende der Grünen Passau-Land, zeigt der Betrieb, wie sich ökologische Landwirtschaft und moderne Energietechnik miteinander verbinden lassen. „Ökologischer Landbau und modernste Umwelttechnik gehen hier Hand in Hand. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wird beendet und die Produktion regionaler Lebensmittel ist auch in kühleren Monaten effizient und grün gesichert.“
Nach Ansicht der Teilnehmer bietet neben der Geothermie auch die Nutzung industrieller Abwärme große Chancen für den heimischen Gemüsebau. Überschüssige Wärme etwa aus Produktionsbetrieben oder Rechenzentren könnte künftig für Gewächshäuser genutzt werden. Eine Schwierigkeit bleibt allerdings die notwendige Planungssicherheit: Während landwirtschaftliche Betriebe angesichts hoher Investitionskosten auf langfristige Vereinbarungen angewiesen sind, fehlen vielfach entsprechende verbindliche Zusagen der beteiligten Unternehmen. Hier seien verlässliche Rahmenbedingungen notwendig, damit Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Wirtschaft entstehen können.
Solidarische Landwirtschaft als zweites Modell
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt der Reisnerhof in Kirchham. Die Betriebsleiter Stephan Mendler und Claudia Haspelhuber arbeiten dort nach dem Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft, kurz Solawi. Das Gemüse wird kleinflächig, ressourcenschonend und ökologisch angebaut und direkt an die Verbraucher weitergegeben.
Rund 80 Mitglieder gehören zur Gemeinschaft. Gegen einen regelmäßigen Beitrag erhalten sie wöchentlich eine Auswahl des jeweils verfügbaren Gemüses. Das Modell schafft für den Betrieb eine verlässlichere wirtschaftliche Grundlage und bietet den Mitgliedern gleichzeitig einen direkten Bezug zu den Lebensmitteln und zu deren Erzeugung.
Goller: Verlässliche Absatzmöglichkeiten schaffen
Mia Goller, Landtagsabgeordnete und Sprecherin für Landwirtschaft der Grünen, zieht aus der Exkursion ein klares Fazit:
„Wir müssen die Betriebe vor Ort stärken, wenn wir den Selbstversorgungsgrad mit heimischem Gemüse erhöhen wollen. Dafür brauchen die Landwirtinnen und Landwirte verlässliche Absatzmöglichkeiten und faire Rahmenbedingungen. Gerade die Gemeinschaftsverpflegung – etwa in Schulen, Krankenhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen – kann dazu beitragen, regionale Produkte stärker und dauerhaft nachzufragen.“
Goller sieht zugleich noch erheblichen Handlungsbedarf beim Abbau bürokratischer Hürden. Innovative Betriebe dürften nicht durch komplizierte Verfahren ausgebremst werden. Wichtig sei außerdem, den Zugang zu Fördermitteln zu erleichtern und Investitionen in regionale Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen gezielt zu unterstützen.
Aus Sicht der Grünen besteht gerade in Niederbayern noch erhebliches Entwicklungspotenzial. Während bayernweit etwas mehr als 14 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe biozertifiziert sind, liegt der Anteil in Niederbayern laut den vorliegenden Zahlen bei 5,69 Prozent. Eiblmeier und Goller sehen deshalb gerade im vielfältigen und ökologischen Gemüsebau Chancen für die Region – sowohl für die landwirtschaftlichen Betriebe als auch für eine stärkere Versorgung mit Lebensmitteln aus der näheren Umgebung.



